TDoR 2025: Mehr Sichtbarkeit darf nicht zu mehr Gewalt führen!

Freiburg, 18. November 2025

PRESSEMITTEILUNG

Am 20. November gedenkt das Queere Netzwerk Baden‑Württemberg der Opfer transfeindlicher Gewalt weltweit. Eine feindliche Haltung gegenüber trans und nicht-binären Menschen darf nicht weiter in die Mitte der Gesellschaft vordringen.

Der Transgender Day of Remembrance (TDoR) am 20. November ist ein Tag der Trauer, des Gedenkens – und des politischen Appells. Weltweit wurden von Oktober 2024 bis September 2025 281 trans und nicht-binäre Menschen ermordet.[1] Seit 2009 sind damit insgesamt über 5.322 dokumentierte Tötungsdelikte gegen trans Personen zu verzeichnen.

Alarmierend ist dieses Jahr ein neues Muster: Erstmals richtet sich die Gewalt verstärkt gegen Menschen, die sich für die Rechte ihrer Communities einsetzen: trans und nicht-binäre Aktivist_innen machen mit 14 % einen auffällig großen Anteil der Opfer aus.

„Die steigende Zahl von Morden an Aktivist_innen macht deutlich, dass transfeindliche Gewalt auch gezielt zur Einschüchterung genutzt wird“, sagt Jj Link (Stuttgart), Mitglied des Sprechendenrats. „Zwar stammt ein großer Teil der Ermordeten nicht aus Europa, aber auch hier haben trans und nicht-binäre Personen mehr Angst als noch vor ein paar Jahren.“

Das trans- und queerfeindlichere gesellschaftliche Klima lässt sich auch jenseits von Gewaltverbrechen in Umfragen ablesen: Die kürzlich veröffentlichte Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung[2] verdeutlicht, dass sich demokratie- und menschenfeindliche Positionen in Deutschland ausbreiten. Während offen rechtsextreme Einstellungen nach wie vor in der Minderheit sind, zeigt sich ein deutlicher Anstieg bei gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Stimmten 2019 noch lediglich 11 % der Befragten einer transfeindlichen Aussage zu, waren es 2023 ca. 17 %, in der jüngst veröffentlichten Studie über 19 %.

Janka Kluge (Stuttgart), Mitglied des Sprechendenrats des Queeren Netzwerks Baden-Württemberg, macht deutlich: „Wenn fast ein Fünftel der Bevölkerung Abwertungen gegenüber trans Personen toleriert, dann ist das kein individuelles Problem, sondern ein gesamtgesellschaftlicher Alarmzustand.“

Helga Hedi Denu (Göppingen), ebenfalls Mitglied des Sprechendenrats, ergänzt: „Auch vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass die Landesregierung alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen zur Eindämmung von Diskriminierungen jeglicher Art ergreift. Der versprochene Landesaktionsplan gegen Diskriminierung und Rassismus muss so rasch wie möglich verabschiedet werden.“

Im Queeren Netzwerk Baden-Württemberg haben sich viele Gruppen auch in diesem Jahr wieder engagiert, um den Transgender Day of Remembrance mit zahlreichen Veranstaltungen würdig zu begehen und allen Formen transfeindlicher Gewalt die Stirn zu bieten. Die detaillierten Beschreibungen der einzelnen Veranstaltungen finden sich unter https://qnbw.de/transgender-day-of-remembrance/. Alle Menschen sind herzlich eingeladen, denn der TDoR geht alle an!

[1] https://tgeu.org/trans-murder-monitoring-2025-reveals-new-trend-in-anti-trans-violence-systematic-targeting-of-activists-and-movement-leaders/

[2] https://www.fes.de/mitte-studie#c445981

Der Text der Pressemitteilung als pdf-Datei findet sich hier.