Landesweite Beratung des Queeren Netzwerks Baden-Württemberg

Inhalt
Die Beratungsstellen in unserem Netzwerk bieten Unterstützung zu vielfältigen psychologischen und sozialen Themen. Sie richten sich an Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell, aspec, trans, inter, nicht-binär oder queer (lsbatinq+) sind oder sich mit ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Selbstverständnis auseinandersetzen – ebenso wie an Angehörige, Freund_innen und Fachkräfte.
Unsere „Landesweite Beratung“ wird von mehreren unabhängigen Vereinen und Organisationen in Baden-Württemberg getragen. Gemeinsam stellen sie psychosoziale Beratungsangebote für lsbatinq+ Menschen in verschiedenen Regionen Baden-Württembergs bereit. Dabei setzen einzelne Organisationen unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte.
Die Beratungen werden entweder von einer Fachkraft durchgeführt oder von Menschen, die keine fachliche Ausbildung haben, aber dafür ganz viel persönliche Erfahrung. Letzteres nennt man auch Peer-Beratung. Die Qualitätsstandards der Beratung sind in beiden Fällen die selben.
Welche Organisation in deiner Region tätig ist und welche Themen sie anbietet, kannst du in unserem Angebotsportal einsehen.
Themen und Fragestellungen, zu denen eine Beratung in Anspruch genommen werden kann
- Fragen zur eigenen sexuellen und romantischen Orientierung oder zum eigenen geschlechtlichen Selbstverständnis, Beziehungsfragen, Familienfragen, Diskriminierungs- und Benachteiligungserfahrungen …
- … in Verbindung mit weiteren persönlichen Merkmalen wie soziale Herkunft, Migrationsgeschichte, Fluchterfahrungen, Jugendalter, Fragen des Alterns/ Älterwerdens, sexuelle Gesundheit, Wohlempfinden oder Behinderungserfahrungen.
- Erfahrungen und Erlebnisse als Mensch, der lsbatinq+ ist, in verschiedenen Lebenswelten, beispielsweise Familie, Schule, Bildungsleben, Berufsleben, Internet.
Rahmenbedingungen: Kostenfrei, standardisiert sowie von und für LSBATINQ+
Alle Beratungsstellen können dir kostenfrei bis zu 3 Beratungstermine anbieten, da wir eine Finanzierung durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration erhalten.
Eine besondere Qualität unserer Beratung ist, dass die Beratenden selbst lsbatinq+ sind. Wir leben, sehen und akzeptieren die gesamte Vielfalt an Geschlechtern und sexuellen Orientierungen.
Die Kompetenzen, um dich gut zu unterstützen, haben die Beratenden durch fachliche Ausbildung und/oder Erfahrung aus der Selbsthilfe erworben. Wir orientieren uns an klar definierten und transparenten Beratungsstandards und bitten um Feedback.
Unsere Qualitätsstandards und Feedbackprozesse
Seit Ende 2015 verbessert das Netzwerkprojekt den Zugang zu qualifizierter Beratung rund um geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung in der Fläche.
Gleichzeitig wird die Qualität der Beratungsangebote durch eine enge Vernetzung der beteiligten Organisationen sowie durch kontinuierliche Fort- und Weiterbildungen nachhaltig gestärkt. So wird sichergestellt, dass die Beratung landesweit auf einem hohen fachlichen Niveau erfolgt.
Die erarbeiteten Anforderungen, Qualitätsstandards und Qualitätssicherungsmaßnahmen sind in einer Broschüre zusammengestellt. Die Beratungsstandards in Fachsprache wurden am 28.2.2017 veröffentlicht und können heruntergeladen oder als gedruckte Version über den Webshop bestellt werden.
Momentan werden die Qualitätsstandards überarbeitet – in einer Kurzversion sind die wesentlichen Punkte in einfacher Sprache zusammengefasst:
Unsere Standards im Überblick
1. Wertschätzende und freundliche Haltung
- Die Beratung soll mit Respekt und Einfühlungsvermögen stattfinden.
- Die Beratung hilft Menschen, ihre eigene Identität zu verstehen.
- Ziel der Beratung ist es, das eigene Leben und den Alltag besser zu gestalten und die eigene sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität zu akzeptieren.
2. Offene Beratung
- Die Beratung richtet sich nach den Bedürfnissen der Ratsuchenden.
- Es wird keine bestimmte sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität vorgeschrieben.
- Die sexuelle Orientierung kann sich im Leben verändern, sie ist aber nicht durch Willenskraft veränderbar.
- Konversionsmaßnahmen, also Versuche von außen die sexuelle Orientierung zu ändern, sind schädlich und werden nicht unterstützt.
3. Beratungsauftrag und Stärkung der Ratsuchenden
- Zu Beginn der Beratung wird geklärt, worum es geht.
- Die Beratung baut auf den Stärken und Fähigkeiten der Ratsuchenden auf.
- Die Ratsuchenden kommen freiwillig und werden nicht zu etwas gezwungen.
- Ziel ist es, die Ratsuchenden zu stärken und ihnen zu helfen, ein gutes Selbstwertgefühl zu entwickeln.
4. Orientierung an Leitlinien und Gesetzen
- Die Beratung basiert auf wissenschaftlichen Fakten und anerkannten Leitlinien.
- Der Schutz der Menschenwürde und die Rechte jedes Einzelnen stehen im Vordergrund.
- Kinder- und Jugendschutz, Datenschutz und Vertraulichkeit sind sehr wichtig.
5. Einfache und verständliche Sprache
- Jede Person soll Zugang zur Beratung haben, unabhängig von ihrem Hintergrund oder persönlichen Merkmalen.
- Die Rahmenbedingungen der Beratung werden verständlich erklärt.
- Die Berater_innen bieten nur Leistungen an, für die sie qualifiziert sind.
6. Professionelle Haltung der Beratenden
- Die Berater_innen sind sich ihrer Rolle und Verantwortung bewusst.
- Sie reflektieren ihr Handeln und ihre Kompetenzen regelmäßig.
- Das Team besteht aus Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen.
- Fortbildungen und kollegiale Beratungen sichern die Qualität der Arbeit.
7. Onlineberatung
Bei der Online-Beratung über E-Mail, Videochat oder Messenger wird besonders auf den Schutz der Daten und Persönlichkeit geachtet.
Maßnahmen zur Qualitätssicherung
- Die Berater_innen arbeiten nach den Qualitätsstandards.
- Sie nehmen an Weiterbildungen und Qualitätszirkeln teil.
- Die Ratsuchenden werden ermutigt, Feedback zu geben und erfahren, wie sie Beschwerden einreichen können.
Möglichkeit für Feedback und Beschwerde
Deine Rückmeldung zählt!
Wenn du Beratung in Anspruch genommen hast, freuen wir uns über deine Rückmeldung anhand dieses Rückmeldebogens. Gerne kannst du diesen anonym sowohl bei deiner Beratungsstelle abgeben als auch an die Projektsteuerung des Beratungsprojekts senden unter . Wir freuen uns auf deine Anmerkungen und Einschätzungen!
Klärungsbedarf? Beschwerde?
Du hast dich bei einem Beratungsangebot des Netzwerkes nicht gut aufgehoben gefühlt? Wir sind daran interessiert, unsere Angebote zu verbessern! Du hast die Möglichkeit, dich über das schriftliche Feedback hinaus bei Klärungsbedarf persönlich unterstützen zu lassen:
- Prüfe bitte als Erstes, ob du mit der_dem Berater_in selbst klären kannst, was du dir anders wünschst oder was besser gemacht werden kann.
- Wenn dein Anliegen mit der_dem Berater_in nicht geklärt werden kann, kannst du dich an die Clearingstelle der Landesweiten Beratung des Queeren Netzwerks Baden-Württemberg wenden:
Andrea Lang (Projektsteuerung) vermittelt eine geeignete Stelle innerhalb des Netzwerks: , Telefon: 0621- 436 557 21 - Wenn dein Anliegen auch nicht mit der Clearingstelle des Netzwerks geklärt werden kann, kannst du dich an unsere externe Schlichtungsstelle wenden: Karen Nolte, Karen Nolte ist ausgebildete Pflegefachperson und Medizinhistorikerin. Seit 20 Jahren ist sie ehrenamtlich im Vorstand der queeren Hannchen-Mehrzweck-Stiftung tätig – zu ihren Forschungsschwerpunkten gehört auch Queere Geschichte, die sich auch mit den Repressionen und dem Unrecht an queeren Menschen in Medizin und medizinischen Institutionen auseinandersetzt.
Du möchtest Kontakt mit uns aufnehmen?
Die Steuerung des Beratungsprojekts liegt bei Andrea Lang (VLSP e. V., Mannheim) und Mathias Falk (Rosa Hilfe Freiburg e. V.). Alle, die Beratung anbieten oder in Zukunft Beratung anbieten möchten, können sich an die beiden projektsteuernden Personen wenden unter .